Durch das Dehnen bewirken wir eine leichte Erhöhung des Abstandes zwischen Ursprung und Ansatz des Muskels. Wir setzen einerseits die Muskelfasern unter Zug, andererseits

bewirken wir eine Tonuserhöhung der bindegewebigen Strukturen.

Der Mythos der eigentlichen Verlängerung der Muskelfasern durch das Dehnen konnte nun endlich widerlegt werden.

Durch die Dehnung bekommt unser Gehirn Informationen über den Spannungszustand des Muskels. In der Muskulatur befinden sich sog. Muskel- und Sehnenspindeln, welche die Messung

der Spannung und der Längenänderung des Muskels zur Aufgabe haben.

Diese Information im Gehirn hat zur Folge, dass der Muskel in einer erhöhten „Alarmbereitschaft“ steht. Das heisst er ist bereit für eine schnelle Innervation und Kontraktion

dieses Muskels.

Bei ständiger Dehnung der Muskulatur sinkt nun sozusagen die Hemmschwelle im Gehirn für diese „Alarmbereitschaft“. Der Muskel kann nach und nach optimaler gedehnt werden ohne

eine Aktivierung dessen hervorzurufen.

Dieser Aspekt ist von entscheidender Bedeutung für die Verletzungsgefahr im Sport.

Trifft nun plötzlich ein schneller und starker Dehnreiz auf einen gedehnten Muskel, so kann dieser leicht nachgeben ohne sofort Anzuspannen und sich zu verletzen. Bei einem

gleichen Reiz auf einen ungedehnten Muskel würde sich dieser reflexartig zusammenziehen und eine Verletzung nach sich ziehen.